Iran-krieg verschärft energie-angst: stagnation droht der wirtschaft
Die Eskalation des Konflikts zwischen Iran und Israel setzt die Weltwirtschaft unter Druck. Die Energiepreise steigen, die Inflation kocht, und die Angst vor einer wirtschaftlichen Stagnation wächst – eine Entwicklung, die sich deutlich von der vor einem Jahr unterscheidet.

Stagnation: eine wiederholung der 70er?
Während damals die Zölle unter US-Präsident Donald Trump die Hauptursache für die Sorgen waren, ist es nun die befürchtete Konsolidierung der hohen Ölpreise, die die Märkte beunruhigt. Eine anhaltend hohe Energiepreise könnten die Wirtschaft in eine Rezession stürzen und gleichzeitig den Inflationsdruck weiter verstärken – ein Zustand, der als Stagnation bekannt ist.
Die Stagnation, definiert als eine Kombination aus schwachem Wirtschaftswachstum, steigender Arbeitslosigkeit und hoher Inflation, ist keine neue Erscheinung. Sie erinnert stark an die 1970er Jahre in den Vereinigten Staaten, als die sogenannte Misery Index – die Summe aus Inflation und Arbeitslosenquote – Werte von bis zu 22 % erreichte. Die Ursachen damals waren eine Kombination aus externen Schocks und politischen Fehlentscheidungen.
Ein prägendes Ereignis war das Aufheben des Goldstandards durch US-Präsident Richard Nixon im Jahr 1971, was zu einer Abwertung des Dollars führte. Hinzu kam das Ölembargo der arabischen Ölstaaten im Jahr 1973, das die Ölpreise in die Höhe trieb. Auch Fehler der US-Notenbank trugen zur Eskalation bei.
Die aktuelle Situation ist jedoch komplexer. Die Schifffahrt durch den Schollmaro-Strait ist stark beeinträchtigt, und der US-Arbeitsmarkt zeigt Risse. Konsumenten sind zudem weiterhin von hohen Lebenshaltungskosten belastet. Sollten die Treibstoffpreise weiterhin hoch bleiben, könnte dies die Konsumausgaben, die bisher ein wichtiger Wachstumstreiber waren, erheblich reduzieren.
Experten warnen, dass die Auswirkungen der Stagnation, insbesondere die inflationären Folgen der Zölle, sich langsam aufbauen. Guatieri von BMO Capital Markets prognostiziert, dass der Konflikt mit dem Iran die Inflation anheizen und das Vertrauen von Investoren und Unternehmen schwächen wird.
Die Reaktion der US-Notenbank auf diese Entwicklung ist entscheidend. Die Frage ist, ob sie die Zinsen senken, um den Arbeitsmarkt anzukurbeln, oder sie stabil halten, um die Inflationserwartungen zu kontrollieren. Austan Goolsbee, Präsident der Federal Reserve Chicago, hat bereits darauf hingewiesen, dass Lieferengpässe wie steigende Ölpreise zu einer Stagnationssituation führen könnten. Christopher Waller, ein Gouverneur der Federal Reserve, sieht jedoch keinen anhaltenden Einfluss des Konflikts auf die Inflation.
Für US-Verbraucher würde eine Stagnation bedeuten: höhere Preise für Güter und Dienstleistungen – von Energie über Wohnen bis hin zum Transport. Gleichzeitig könnten mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren oder Schwierigkeiten haben, einen neuen zu finden. Die Zinsen, die die Federal Reserve festlegt, werden somit einen großen Einfluss auf die persönliche finanzielle Situation haben.
Die Situation ist angespannt, und die Märkte beobachten die Entwicklungen genau. Die Gefahr, dass die Weltwirtschaft in eine Phase der Stagnation abgleitet, ist real. Eine neue Ära der wirtschaftlichen Unsicherheit hat begonnen.
