Fed am rande des abgrunds: zinsentscheidung im schatten von iran und trump
Die US-Notenbank steht vor einer Zerreißprobe. Die Entscheidung über die Leitzinsen, die die Inflation bekämpfen und das Wirtschaftswachstum ankurbeln soll, fällt zu einem Zeitpunkt, der von geopolitischen Spannungen und innenpolitischen Turbulenzen überschattet wird. Während die Augen der Welt auf den Schlangengraben im Persischen Golf und die Äußerungen von Donald Trump gerichtet sind, nähern sich die Märkte einer historischen Zäsur.
Inflationsängste überwiegen: wann kommt die zinspause?
Die Erwartungen haben sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch gewandelt. Noch vor dem Konflikt zwischen den USA und Israel mit dem Iran hatten Experten zwei Zinssenkungen im Jahr 2026 prognostiziert. Nun peilen die Märkte erst eine Senkung im Sommer 2027 an – ein deutlicher Rückschlag für die Hoffnung auf eine baldige Entspannung der Finanzmärkte.
Die Fed steht vor schwierigeren Herausforderungen als andere Zentralbanken. Neben der Unsicherheit über die Handelskriege unter Donald Trump kämpft sie mit steigenden Ölpreisen und einer restriktiven Einwanderungspolitik, die den Arbeitsmarkt belastet. Diese Faktoren erschweren die Einschätzung der richtigen Zinshöhe, um die Inflation zu kontrollieren, ohne die Wirtschaft zu gefährden.
Ein schwacher Arbeitsmarkt bei anhaltend hoher Inflation ist die bittere Realität. Zudem drohen neue Tarifzölle unter Trump, die die Preise weiter in die Höhe treiben könnten. Der Konflikt im Iran verschärft die Inflationsdruck, während die Ölpreise auf fast 100 Dollar gestiegen sind. Lieferkettenprobleme verzögern Lieferungen, und steigende Kraftstoffpreise könnten die Konsumausgaben dämpfen.
Ein Fehler könnte die Fed in Bedrängnis bringen – und Donald Trump verärgern. Der Präsident hat Jerome Powell wiederholt zu Zinssenkungen aufgefordert, obwohl Powell die Unabhängigkeit der Zentralbank betont hat. Trump scheint nun eine neue Strategie verfolgt zu haben: Die Ernennung von Kevin Warsh, der eine lockerere Geldpolitik befürwortet, könnte die Inflation weiter anheizen. Ein Schritt, der die Fed in eine Zwickmühle bringen könnte.
Experten wie Michaël Nizard von Edmond de Rothschild AM warnen vor überstürzten Maßnahmen. Eine Zinserhöhung werde die Ölpreise nicht senken und hätte kaum Auswirkungen auf die Energiepreise. Stattdessen könnte sie die Konjunktur belasten – eine politische Fehlentscheidung, die an die Finanzkrise von 2008 erinnert. Eine Zinspause würde hingegen die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt ankurbeln – ein Ziel, das Trump wiederholt gefordert hat.
Die Entscheidung der Fed am Dienstag wird daher mit Spannung erwartet. Die Märkte sind sich sicher: Eine baldige Entspannung ist unwahrscheinlich. Die Welt wartet ab, wie die Notenbank mit diesem komplexen Dilemma umgehen wird – und welche Folgen diese Entscheidung für die globale Wirtschaft haben wird.
