Europäische stromnetze am limit: hitzewelle löst energiekrise aus
Die europäische Stromversorgung steht unter enormem Druck – und das vor heimlicher Kulisse eines ungewöhnlich langen und intensiven Sommerhitzes. Was als kurzfristige Herausforderung begann, entwickelt sich zu einer systemrelevanten Krise, die die Achillesferse der europäischen Energiewende offenbar ist.
Rekordtemperaturen und produktionsrückgang – ein gefährliches zusammenspiel
Die Hitzewelle in Europa zwingt die Stromnetze zu einem halsbrecherischen Balancieren. Die Nachfrage nach Kühlung explodiert, während gleichzeitig die Energieerzeugung durch Kernkraftwerke und Windkraftanlagen unter enormen Einschränkungen leidet. In Frankreich sind zahlreiche Atomkraftwerke aufgrund von Wassermangel nicht in der Lage, ihre volle Leistung zu bringen. Die Windbedingungen sind in weiten Teilen des Kontinents erbarmungslos schwach, was die Abhängigkeit von kohlenstoffintensiven Kraftwerken erhöht.
Die Folge: Die Strompreise schießen in ungeahnte Höhen. In Deutschland und Großbritannien steuert der mesopilzige Juní auf die teuersten Werte seit der energiekrise von 2022 zu. In Frankreich verfehlen die Stromkosten die Rekordmarke von 2023 bereits jetzt. Die Situation ist ernst – und wird sich voraussichtlich noch verschärfen.

Kohlekraftwerke übernehmen die rolle – und das ist kein gutes zeichen
Während die erneuerbaren Energien an ihre Grenzen stoßen, spielen fossile Kraftwerke eine immer größere Rolle. In Frankreich und Deutschland sind die Kohlekraftwerke, die teurer sind als jede andere Energiequelle, zu einem unerwarteten Helden der Lage geworden. Die steigenden Preise am Abend signalisieren deutlich, dass die Nachfrage nach Kühlung die verfügbare Energieproduktion übersteigt.
Die RTE, der französische Netzbetreiber, bereitet sich vor, die Stromversorgung durch Reduzierung der Leistung auf den Übertragslinien zu steuern, um Schäden durch Überhitzung zu vermeiden. Die Lage ist angespannt, aber – wie betont Tennet, der größte deutsche Übertragungsnetzbetreiber – die Netze funktionieren weiterhin einwandfrei. Die Vorbereitung auf extreme Wetterbedingungen ist längst abgeschlossen.

Ein blick nach suiza: auch dort probleme durch die hitze
Auch in der Schweiz sind die Temperaturen die Ursache für eine Produktionsreduktion der Kernkraftanlage Beznau. Die hohen Wassertemperaturen im Aare-Fluss schränken die Kühlkapazität ein. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Deutschland, wo auch Gas-Kraftwerke aufgrund der Hitze ihre Leistung reduzieren müssen. Die Schwachstelle der Energiewende wird bitter aufgedeckt: die Unberechenbarkeit der Natur – und unsere Abhängigkeit von Technologie, die nicht immer für alle Wetterlagen gewappnet ist.