Eu verschiebt digitale identität: zertifikate und signaturen im umbruch
Die Europäische Union bereitet einen fundamentalen Wandel in der digitalen Identität vor. Ab 2027 werden neue Zertifikate und Authentifizierungssysteme die Grundlage für Online-Transaktionen und Behördengänge bilden – eine Entwicklung, die Unternehmen, Selbstständige und Bürger gleichermaßen betrifft.
Einheitliche europäische identität: das ziel der eu
Brüssel strebt eine einheitliche, interoperable und sicherere digitale Identität für alle europäischen Staatsbürger und Unternehmen an. Das Ziel: Ein System, das überall in der Union funktioniert und bestehende, fragmentierte Identifikationsmethoden – wie die nationalen Zertifikate in Deutschland (z.B. die eID) – schrittweise ersetzt. Dieser Umbruch wird die Authentifizierung von Dokumenten, den Zugang zu digitalen Diensten und die Durchführung von Online-Transaktionen grundlegend verändern. Die Basis dafür bildet die Aktualisierung des eIDAS-Reglements.
Das eIDAS-Reglement (EU) 2024/1183 dient als Rahmen für elektronische Identifizierung und digitale Vertrauensdienste innerhalb der EU. Es schafft eine gemeinsame Basis für digitale Identitäten, die in allen Mitgliedsstaaten gültig sein sollen. Das bedeutet eine massive Vereinfachung für Unternehmen und Verbraucher, die grenzüberschreitend tätig sind.

Die europäische digitale wallet: das herzstück des neuen systems
Im Zentrum dieser Transformation steht die sogenannte European Wallet oder EUDI Wallet. Diese digitale Anwendung soll eine sichere Möglichkeit bieten, offizielle Zertifikate, digitale Dokumente und persönliche Daten zu speichern und zu verwalten. Sie ermöglicht die Online-Authentifizierung, den sicheren Austausch von Dokumenten, elektronische Signaturen und den Zugriff auf öffentliche und private Dienste in der gesamten EU. Jeder Mitgliedsstaat muss bis Ende 2026 mindestens eine offizielle, interoperable Wallet anbieten.

Elektronische signaturen unter neuer beobachtung
Auch die elektronischen Signaturen werden durch die neuen Regelungen stark beeinflusst. Das eIDAS-Reglement erkannte bereits verschiedene Arten digitaler Signaturen (einfach, fortgeschritten und qualifiziert) an. Die neue Norm verschärft die technischen Anforderungen und sorgt für eine höhere Rechtssicherheit und Cyber-Sicherheit. Die Qualifizierte elektronische Signatur wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

Zeitplan und umsetzung
Der Prozess der Umsetzung läuft bereits in Gang. Im April 2026 wurde das Verordnungserlass 2026/798 veröffentlicht, der den Registrierungsprozess für Bürger in der digitalen Wallet regelt. Pilotprogramme in Ländern wie Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland und Griechenland sind bereits gestartet. Es ist zu erwarten, dass die Anpassung der Zertifikatsaussteller bis Dezember 2026 abgeschlossen sein wird. Die vollständige Einführung des neuen Systems erfolgt dann im Jahr 2027. Die Transformation ist ein Marathon, kein Sprint.
Experten sind sich einig: Die europäische digitale Identität wird zum Standard in Europa. Administrationsbehörden und digitale Plattformen werden zunehmend auf diese Art der Identifizierung setzen. Die traditionellen digitalen Zertifikate werden somit an Bedeutung verlieren. Die EU will mit dem neuen System die Sicherheit und den Schutz der Bürger stärken und gleichzeitig den digitalen Handel und die Dienstleistungen in der Union erleichtern.
