Rtve kremt um: neuer kultursender kommt – und streaming-dienste sind schneller

Die spanische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt RTVE bereitet sich auf eine bedeutende Umstrukturierung vor. Ein neuer thematischer Sender soll in den kommenden Monaten auf den Markt kommen, doch die großen Streaming-Plattformen der Mobilfunkanbieter wollen die Initiative offenbar vorwegnehmen.

Arte españa startet früher als erwartet

Arte españa startet früher als erwartet

Laut José Pablo López, Präsident von RTVE, wird der neue Sender, der unter dem Namen Arte España laufen soll, zunächst auf den Plattformen von Movistar Plus+, Orange TV und DIGI TV verfügbar sein. Erst danach folgt die Ausstrahlung über die terrestrische Digitalfernsehen (TDT), und das kostenlos für alle Nutzer.

Die Entscheidung für diesen Vorstoß ist eine direkte Folge der Umstellung auf das 4K-TDT-Standard. Die Umstrukturierung der Frequenzbänder ließ RTVE kaum andere Wahl, als eine schnellere Integration über die bestehenden OTT-Anbieter zu suchen. Der ursprüngliche Zeitplan für den Sendestart im TDT-Bereich war für das frühe Jahr 2026 vorgesehen.

López verweist dabei auf die Geschichte des Senders Cultura, der 2012 aufgrund der Finanzkrise eingestellt wurde. Jetzt soll Arte España als dauerhafter Bestandteil des Programmangebots etabliert werden. Ein verbindlicher Vertrag mit dem französischen und deutschen Sender ARTE steht noch aus.

Der neue Sender wird sich auf spanisches Kino, klassische Musik, Oper, darstellende Künste und neue musikalische Talente konzentrieren. Neben neuen Produktionen sollen auch Klassiker aus dem Archiv von Estudio 1 und Filme des spanischen Kinos wiederbelebt werden. Die RTVE-Orchester und Chöre, sowie etablierte Sender wie Radio 3 und Radio 3 Extra und renommierte Opernhäuser werden ebenfalls eingebunden.

„Unser Ziel ist es, dass Kultur nicht nur ein Nebenprodukt, sondern ein zentraler Bestandteil des linearen Angebots der Körperschaft wird“, betonte López im Verwaltungsrat.

Der Start im TDT-Bereich ist für vor den Sommer 2024 geplant, parallel zur Veröffentlichung auf der eigenen Streaming-Plattform RTVE Play. Die Mobilfunkanbieter könnten den Start jedoch um einige Wochen vorziehen.

Ein weiteres Problem: Piratische IPTV-Dienste stellen eine wachsende Bedrohung dar, wie Experten warnen. Die Gängigkeit illegaler Streaming-Angebote könnte die Bemühungen von RTVE und den großen Anbietern erheblich erschweren. Die bevorstehenden Olympischen Winterspiele in 2026 verstärken diese Herausforderung noch.

Die Umstellung auf 4K und die damit verbundene Neuausrichtung der Frequenzen sind ein notwendiges Übel. Das eigentliche Problem bleibt die Fragmentierung des Medienmarktes und die zunehmende Konkurrenz durch internationale Streaming-Giganten. Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Spanien steht auf dem Prüfstand.

Die Entscheidung von RTVE, sich an den Streaming-Plattformen anzupirschen, ist ein deutliches Zeichen für die Notwendigkeit, sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Eine Anpassung, die möglicherweise noch weitaus radikalere Veränderungen nach sich ziehen wird.