Russen umgehen sanktionen: dronen-lieferkette durch thailand

Während der Krieg in der Ukraine militärische Ressourcen in ungeahntem Tempo verzehrt, hat Russland einen Weg gefunden, seine Drohnenbestände aufzufüllen – und das ohne die westlichen Sanktionen zu brechen. Ein Weg, der über eine legal funktionierende Handelsroute führt, die von Bloomberg aufgedeckt wurde.

Bangkok als drehscheibe für drohnenlieferungen

Bangkok als drehscheibe für drohnenlieferungen

Die Route: Drohnen verlassen chinesische Fabriken, stoßen in Bangkok an und erreichen die Frontlinien in der Ukraine, ohne von Zollkontrollen aufgehalten zu werden. Thailand verlangt bei Importen keine Angabe der Endverwendung, was eine Durchsetzung der Sanktionen unmöglich macht. Die Konsequenz: Seit 2025 ist der Drohnenhandel zwischen Bangkok und Moskau explodiert.

Skyhub Technologies, ein in Bangkok ansässiges Unternehmen, das offiziell als Autovermietung registriert ist, spielt dabei eine zentrale Rolle. Laut Zollunterlagen war das Unternehmen 2025 der zweitgrößte Importeur chinesischer Drohnen in Thailand, mit Käufen im Wert von über 20 Millionen Euro – hauptsächlich von Autel Robotics. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Drohnenhandel zwischen Bangkok und Moskau kaum existierte, stiegen die Zahlen seit Beginn des Krieges sprunghaft an. Zwischen Januar und November 2025 importierte Russland Drohnen im Wert von über 120 Millionen Euro aus Thailand, was 88 % der gesamten thailändischen Drohnenausfuhren entspricht.

Es sind keine militärischen Prototypen, die über diese Route gelangen. Der Autel EVO Max 4T, ein offen gehandelter Drohne für Kartierung, Infrastrukturbewertung oder Luftaufnahmen, wird für Aufklärungs- und Feuerkoordinierungszwecke modifiziert. Die weit verbreiteten FPV-Drohnen in den ukrainischen Gräben stammen größtenteils aus China.

Die USA schätzen, dass Peking rund 80 % der von der russischen Armee verwendeten Dual-Use-Komponenten liefert, obwohl die chinesische Regierung jede direkte militärische Beteiligung dementiert. Die Europäische Union und Großbritannien haben bereits Sanktionen gegen bangkokische Unternehmen verhängt, die in diese Lieferkette involviert sind. Doch die thailändischen Behörden berufen sich darauf, dass die aktuelle Gesetzgebung keine wirksamen Maßnahmen ermöglicht. Der Generaldirektor des Zolls räumt ein, dass der Handel legal ist und das Ministerium für Handel die Kontrolle verstärken will – jedoch ohne konkreten Zeitrahmen.

Die Situation in Südostasien steht im Fokus, doch solange rechtliche Schlupflöcher bestehen, werden sich solche Mechanismen fortsetzen. Russland profitiert von einer legalen Grauzone, während die Sanktionen verpuffen. Die Technologie, die eigentlich zur Verbesserung der Lebensqualität gedacht ist, wird zum Instrument des Krieges – ein bitterer Seitenhieb auf die Grenzen der internationalen Regulierung.