technologie

Autonomes fahren: luftschlösser und bittere realität

Die selbstfahrenden Autos – ein Versprechen, das seit Jahren immer wieder neu angekündigt wird, nur um dann ins Stocken zu geraten. Was einst als Revolution der Mobilität gefeiert wurde, gleicht zunehmend einer Aneinanderreihung von gescheiterten Prognosen und teuren Fehlentscheidungen. Der Hype um die fahrerlose Zukunft ist so weit gesunken, dass man sich fragt: Wann werden wir jemals in einem wirklich autonomen Fahrzeug sitzen?

Der fall cruise: ein weckruf für die branche

Der jüngste und wohl spektakulärste Fall ist der von Cruise, der ambitionierten Tochtergesellschaft von General Motors. Nach Jahren hoher Erwartung und massiven Investitionen musste Cruise seine Geschäfte abrupt einstellen, nachdem eine Reihe von Unfällen und Sicherheitsbedenken das Unternehmen in den Fokus der Kritik rückten. 2,7 Milliarden Dollar hat GM allein in Cruise investiert – ein Verlust, der die ganze Branche erschüttert.

Doch Cruise ist kein Einzelfall. Schon 2016 hatte Ford öffentlich erklärt, bis 2021 würden selbstfahrende Autos ohne Lenkrad auf den Markt kommen. 2025, so Lyft, sollten die meisten Fahrten autonom abgewickelt werden. Elon Musk, der Meister der großen Versprechen, kündigt seit über einem Jahrzehnt den Rollout des Tesla Robotaxis an – und die Ankunft rückt immer weiter in die Ferne. Die Realität sieht anders aus: Die Technologie hinkt hinter den ambitionierten Zielen hinterher.

Vom hyperloop zum dna app store: weitere beispiele gescheiterter innovationen

Vom hyperloop zum dna app store: weitere beispiele gescheiterter innovationen

Das Bild wiederholt sich in anderen Bereichen der Technologie. Der Hyperloop, Musks Vision von Hochgeschwindigkeits-Transportröhren, nahm 2013 Fahrt auf – nur um festzustellen, dass die Machbarkeit und wirtschaftliche Rentabilität eine ganz andere Geschichte sind. Über 450 Millionen Dollar wurden eingesammelt, doch die Geschwindigkeit von lediglich 160 km/h bei einer Testfahrt im Jahr 2020 war alles andere als bahnbrechend. Das Projekt scheiterte, ohne einen einzigen Vertrag abzuschließen.

Ein weiteres Beispiel ist der DNA App Store von Helix. 2016 bot das Startup die Sequenzierung des menschlichen Genoms für nur 80 Dollar an und versprach personalisierte Analysen und medizinische Erkenntnisse. Doch die zweifelhafte Qualität der Apps und die fehlende Regulierung im Bereich der Genetik führten zum Ende des Projekts. Und wer erinnert sich noch an Google Glass? Die intelligente Brille, die 2014 auf den Markt kam, scheiterte an einem zu hohen Preis, sozialen Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre und einer fehlenden praktischen Anwendung.

Die gefahr der verwechslung: technische machbarkeit versus wirtschaftliche realität

Die gefahr der verwechslung: technische machbarkeit versus wirtschaftliche realität

Was all diese Beispiele vereint, ist eine gefährliche Verwechslung zwischen technischer Machbarkeit und wirtschaftlicher Realität. Investoren und Medien lassen sich von der Hype-Maschinerie blenden und schenken Startups und etablierten Unternehmen Geld und Aufmerksamkeit, ohne eine kritische Prüfung der langfristigen Tragfähigkeit zu wagen. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass eine brillante Idee allein ausreicht, um ein erfolgreiches Produkt zu schaffen.

Die Entwicklung von Festkörperbatterien, die Samsung 2017 für die nächste Generation von Smartphones versprach, ist ein weiteres Lehrstück. Fast ein Jahrzehnt später kämpfen die Hersteller immer noch mit den Problemen der Massenproduktion. Selbst die optimistischsten Prognosen sprechen von einer kommerziellen Verfügbarkeit erst in den 2030er Jahren.

Project Loon, Googles ambitioniertes Projekt, um abgelegene Regionen mit Hilfe von riesigen Höhenballons mit Internet zu versorgen, scheiterte ebenfalls an der fehlenden wirtschaftlichen Rentabilität. Ironischerweise wurde die Lücke, die Loon zu füllen suchte, von Starlink mit einer völlig anderen Technologie – einem Netzwerk aus Tausenden von Satelliten – geschlossen.

Die Geschichte des autonomen Fahrens und anderer technologischer Durchbrüche lehrt uns eine wichtige Lektion: Innovation braucht mehr als nur brillante Ideen und viel Geld. Sie braucht eine realistische Einschätzung der Herausforderungen, eine klare Vision für die Zukunft und die Bereitschaft, auch einmal zuzugeben, dass eine Idee, so brillant sie auch sein mag, nicht funktioniert.

Und während Elon Musk weiterhin von seinem Tesla Robotaxi träumt, bleibt die Frage: Wird das autonome Fahren jemals Realität werden, oder bleibt es für immer ein unerreichbares Ziel?